Jagen und Töten mit dem PUMA
Artikel in: AUSDRUCK 6/2007 (Dezember 2007)
Raubkatze für Deutschlands neue Kriege
Nach der Billigung durch den Haushaltsausschuss des Bundestages Anfang November, werden nun von der Projekt System & Management GmbH (PSM), einer Kooperation von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann, insgesamt 405 neue Schützenpanzer vom Typ PUMA in Kassel gebaut und endmontiert.
Das in Kassel anstehende 3,8-Milliardenprojekt erfüllt die im Rahmen der Verteidigungspolitischen Richtlinien von 2003 festgelegte Transformation der Bundeswehr. Diese ist systematisch auf eine Militarisierung der deutschen Außenpolitik ausgerichtet und wandelt die deutschen Streitkräfte von einer ehemals für Verteidigungszwecke aufgestellten Armee hin zu weltweit operierenden Eingreiftruppen.
Das Grundgesetz sieht in seiner derzeitigen Fassung nach Art 87 a Abs. 1 vor, dass Streitkräfte nur für die Verteidigung, also zur Abwehr eines Angriffes auf das Bundesgebiet aufgestellt werden. Demnach dürften Bundeswehrsoldaten eigentlich nicht im Ausland eingesetzt werden. Um dies doch zu ermöglichen, wurde im Rahmen des sogenannten „Krieges gegen den Terror“ der Verteidigungsbegriff kurzerhand umdefiniert. Nun fängt Verteidigung am Hindukusch an. Einher geht damit die Entgrenzung, bzw. die „Enttabuisierung des Militärischen“, wie es der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder formulierte. In den Verteidigungspolitischen Richtlinien wird der „Verteidigungsauftrag“ der Bundeswehr so umfassend definiert, dass weltweite Kampfeinsätze – zur „Gestaltung des internationalen Umfelds in Übereinstimmung mit deutschen Interessen“, problemlos legitimiert werden können.
Hierzu passt auch der neue Schützenpanzer PUMA, der aus Sicht der Rüstungsindustrie und führenden Militärs zu einer Generation von Panzern gehört, die keinen Verteidigungsauftrag mehr erfüllen, sondern es der Bundeswehr ermöglichen als hochmobile Eingreiftruppe zu agieren. Kennzeichen hierfür ist auch, dass der neue Panzer mit 43 Tonnen relativ leicht ist. Zudem erlaubt der modulare Aufbau eine schnelle Zerlegung für die Luftverladung, ein weiteres wichtiges Kriterium für weltweite Einsatzoptionen. Der PUMA, der den bisherigen Schützenpanzer Marder ablösen wird, ist so konzipiert, dass von seinem Turm aus, Tag und Nacht eine 360-Grad-Rundum-Beobachtung möglich wird. Während der Richtschütze einen Gegner angreift, kann so der Kommandant bereits den nächsten Gegner ausspähen. Diese Möglichkeit, parallel unterschiedliche Ziele auszuspähen und anzugreifen, nennt sich "Hunter-Killer-Fähigkeit". Bei der Diskussion um den PUMA gibt es unter Militärs und Vertretern der Regierungskoalition eine regelrechte Begeisterung über die technischen Möglichkeiten einer High-Tech Armee. Doch wer Panzer mit "Hunter-Killer-Fähigkeiten" herstellen lässt, der will diese auch einsetzen. Mit dem oft postulierten „nur zum Schutz unserer Soldaten“ lässt sich dies nicht erklären. Im Gegenteil: Die absehbaren Einsatzszenarien bedeuten nichts anderes als brutale Kriegsführung zur Interessensdurchsetzung deutscher Außenpolitik.
Johannes Plotzki
Raubkatze für Deutschlands neue Kriege
Nach der Billigung durch den Haushaltsausschuss des Bundestages Anfang November, werden nun von der Projekt System & Management GmbH (PSM), einer Kooperation von Rheinmetall und Krauss-Maffei Wegmann, insgesamt 405 neue Schützenpanzer vom Typ PUMA in Kassel gebaut und endmontiert.
Das in Kassel anstehende 3,8-Milliardenprojekt erfüllt die im Rahmen der Verteidigungspolitischen Richtlinien von 2003 festgelegte Transformation der Bundeswehr. Diese ist systematisch auf eine Militarisierung der deutschen Außenpolitik ausgerichtet und wandelt die deutschen Streitkräfte von einer ehemals für Verteidigungszwecke aufgestellten Armee hin zu weltweit operierenden Eingreiftruppen.
Das Grundgesetz sieht in seiner derzeitigen Fassung nach Art 87 a Abs. 1 vor, dass Streitkräfte nur für die Verteidigung, also zur Abwehr eines Angriffes auf das Bundesgebiet aufgestellt werden. Demnach dürften Bundeswehrsoldaten eigentlich nicht im Ausland eingesetzt werden. Um dies doch zu ermöglichen, wurde im Rahmen des sogenannten „Krieges gegen den Terror“ der Verteidigungsbegriff kurzerhand umdefiniert. Nun fängt Verteidigung am Hindukusch an. Einher geht damit die Entgrenzung, bzw. die „Enttabuisierung des Militärischen“, wie es der ehemalige Kanzler Gerhard Schröder formulierte. In den Verteidigungspolitischen Richtlinien wird der „Verteidigungsauftrag“ der Bundeswehr so umfassend definiert, dass weltweite Kampfeinsätze – zur „Gestaltung des internationalen Umfelds in Übereinstimmung mit deutschen Interessen“, problemlos legitimiert werden können.
Hierzu passt auch der neue Schützenpanzer PUMA, der aus Sicht der Rüstungsindustrie und führenden Militärs zu einer Generation von Panzern gehört, die keinen Verteidigungsauftrag mehr erfüllen, sondern es der Bundeswehr ermöglichen als hochmobile Eingreiftruppe zu agieren. Kennzeichen hierfür ist auch, dass der neue Panzer mit 43 Tonnen relativ leicht ist. Zudem erlaubt der modulare Aufbau eine schnelle Zerlegung für die Luftverladung, ein weiteres wichtiges Kriterium für weltweite Einsatzoptionen. Der PUMA, der den bisherigen Schützenpanzer Marder ablösen wird, ist so konzipiert, dass von seinem Turm aus, Tag und Nacht eine 360-Grad-Rundum-Beobachtung möglich wird. Während der Richtschütze einen Gegner angreift, kann so der Kommandant bereits den nächsten Gegner ausspähen. Diese Möglichkeit, parallel unterschiedliche Ziele auszuspähen und anzugreifen, nennt sich "Hunter-Killer-Fähigkeit". Bei der Diskussion um den PUMA gibt es unter Militärs und Vertretern der Regierungskoalition eine regelrechte Begeisterung über die technischen Möglichkeiten einer High-Tech Armee. Doch wer Panzer mit "Hunter-Killer-Fähigkeiten" herstellen lässt, der will diese auch einsetzen. Mit dem oft postulierten „nur zum Schutz unserer Soldaten“ lässt sich dies nicht erklären. Im Gegenteil: Die absehbaren Einsatzszenarien bedeuten nichts anderes als brutale Kriegsführung zur Interessensdurchsetzung deutscher Außenpolitik.
Johannes Plotzki
JohannesPlotzki - 4. Dez, 15:46